Wie Holzbau und Hightech neue Maßstäbe für Büroimmobilien setzen
Wie hat Ihr Team das architektonische Konzept für das Anna-Lindh-Haus entwickelt, und welche Rolle spielte die Holzhybridbauweise bei der Umsetzung?
Für uns bot das Anna-Lindh-Haus die Gelegenheit, zu erforschen, wie ein Bürogebäude in Form und Funktion zu einem markanten Bestandteil der Europacity werden kann. Dabei ging es uns nicht darum, ein neues architektonisches Wahrzeichen zu schaffen, sondern ein Statement zu setzen, wie das Bürogebäude der Zukunft aussehen kann – warm, einladend, flexibel, offen und harmonisch in den städtischen Kontext integriert.
Wesentliche Bestandteile dieses Konzepts sind ein hoher architektonischer Qualitätsanspruch sowie eine verantwortungsvolle Bauweise. Die Holzhybrid-Konstruktion wurde gewählt, da sie leicht, kosteneffizient und umweltfreundlich ist und zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beiträgt. Auf emotionaler Ebene sorgt das sichtbare Holz für eine warme, natürliche Haptik und erschafft einen Raum, in dem Materialität nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt werden kann.
Wie fügt sich das Anna-Lindh-Haus harmonisch in das städtische Umfeld der Europacity am Europaplatz ein? Welche besonderen Herausforderungen gab es hierbei?
Bei jedem Projekt versuchen wir, eine soziale Dimension einzubringen. Wir stellen uns die Frage, wie wir einen Ort schaffen können, der über eine rein funktionale Nutzung hinausgeht. Die Lage des Anna-Lindh-Hauses im Herzen Berlins, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof – einem zentralen Ankunftsort für viele Menschen – stellte uns vor die Herausforderung, einen Raum zu gestalten, der aktiv zum städtischen Leben beiträgt. Unser Ziel war es, eine Verbindung zwischen Innen- und Außen zu schaffen und die Europacity durch ein Gebäude zu bereichern, das warm und einladend wirkt.
Um dies zu erreichen, haben wir die Fassade im Erdgeschoss differenziert gestaltet und offene, öffentliche Nutzungen wie eine Galerie, ein Café und ein Fitnessstudio integriert. Diese Räume laden Menschen dazu ein, zu verweilen und sich auszutauschen.
Zur Aufwertung der Umgebung haben wir entlang der Jean-Monnet-Straße einen gemeinschaftlich genutzten Mobilitätsbereich mit Begrünung und Terrassen geschaffen. Der neue Platz zur Minna-Cauer-Straße wurde als barrierefreier Raum realisiert – mit einer sanften Neigung, einer integrierten Rampe und Treppen. Diese Terrassierung setzt sich auch im Erdgeschoss fort, sodass innen und außen auf derselben Ebene liegen und ein offenerer Raumeindruck entsteht.
Eine weitere Herausforderung war die Lage des Gebäudes an stark befahrenen Straßen. Zudem befindet sich das Gebäude über einem unterirdischen öffentlichen Verkehrssystem mit Tunneln. Dies erforderte eine strategische Platzierung der Gebäudekerne und Funktionen, um die Gesamtlast so gering wie möglich zu halten. Ein positiver Nebeneffekt dieser Planung war die erhebliche Reduzierung der Untergeschossfläche, was sich gut in unsere Strategie zur Förderung sanfter Mobilität und öffentlicher Verkehrsmittel einfügt.
Die Fassade des Anna-Lindh-Hauses ist sehr ungewöhnlich. Was war der gestalterische Leitgedanke?
Die Fassade reflektiert und bricht das Sonnenlicht wie ein Kristall und erzeugt dabei ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten, das sich beim Annähern an das Gebäude entfaltet. Die Transparenz der Fassade sorgt dafür, dass die Holzhybrid-Konstruktion sichtbar wird und als warmer, einladender Kontrast zur Glasfassade wirkt.
Man könnte fast sagen, dass diese Fassade „lebendig“ wird. Gleichzeitig ist die große Gesamtfläche in einzelne kleinere Segmente gegliedert. Das führt dazu, dass das Gebäude, trotz seiner beachtlichen Größe die Proportion zum menschlichen Körper bewahrt.
In Berlin-Mitte entsteht derzeit ein Bürogebäude, das schon vor seiner Fertigstellung Aufmerksamkeit auf sich zieht: das Anna-Lindh-Haus. Der Neubau auf einem der attraktivsten Grundstücke der Hauptstadt ist nicht nur architektonisch ein Blickfang, sondern auch ein Statement – für Nachhaltigkeit, technische Innovation und eine neue Qualität von Arbeitsumgebungen. Möglich wird das durch ein traditionsreiches Material: Holz.
Holz: Baustoff der Zukunft
„Holz ist heute Hightech“, sagt Dr. Thomas Wiesner, CEO und Eigentümer des österreichischen Holzbauunternehmens WIEHAG. Seine Firma wurde von CA Immo mit dem Holzbau für das Anna-Lindh-Haus beauftragt – aus gutem Grund: „Wir beschäftigen uns seit 175 Jahren mit dem Holzbau. Und in den letzten Jahren haben wir weltweit einige der ambitioniertesten Holzbauten realisiert – von Singapur bis Milwaukee.“
WIEHAG gehört zu den Vorreitern einer Entwicklung, die den Holzbau in die Vertikale bringt. Was früher auf drei bis fünf Stockwerke begrenzt war, wächst heute in den Himmel – als Hybrid aus Holz, Beton und Stahl. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Bausektor steht vor enormen Herausforderungen in Sachen CO₂-Reduktion. Holz als nachwachsender Rohstoff bindet beim Wachstum CO₂ und speichert es im fertigen Gebäude. Das macht es zum idealen Baustoff für das Zeitalter des nachhaltigen Bauens.
