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  • cube berlin: Ein Bürogebäude beginnt zu denken
cube berlin: Ein Bürogebäude beginnt zu denken

Willkommen in der digitalisierten Zukunft. Pünktlich um 7:30 Uhr rollt mein autonom fahrendes Elektroauto vor die Haustür. Das Ziel ist schon bekannt, denn mein Fahrzeug ist intelligent mit meinem Kalender vernetzt und weiß, dass ich heute Termine in meinem Büro im cube berlin habe. Das Auto umschifft stark befahrene Straßen und Hindernisse im Stadtverkehr, während ich mich der Vorbereitung meines ersten Meetings widme. Auf dem Display leuchtet das Ziel „cube berlin“ auf, das ich zwanzig Minuten später erreiche. Die Beacons (Sensoren) an der Einfahrt zur Tiefgarage am Washingtonplatz erkennen mein Smartphone und lassen mich passieren. Nun weiß bereits das Gebäude, dass ich angekommen bin. Die Speed-Gates in der Lobby öffnen sich, da mein unsichtbarer Schlüssel in der cube App auf meinem Smartphone hinterlegt ist. Auch der Aufzug weiß bereits, wohin ich muss und hat die entsprechende Etage voreingestellt und freigeschaltet.

Unser Unternehmen hat im cube ein modernes Bürokonzept umgesetzt und wir verzichten auf feste Arbeitsplätze. Daher schlägt mir die cube App einen passenden Arbeitsplatz vor.

cube berlin
Passend? Ja, die App kennt meinen Kalender und weiß, dass ich gerne am Fenster arbeite, aber heute auch viele Meetings habe. Daher platziert sie mich in der Nähe unserer Besprechungsräume. Datenschutz war anfangs bei uns ein großes Thema. Aber jeder bestimmt selbst, ob er mit seinen persönlichen Daten in der App sichtbar sein will oder nicht. Unsere Bewegungsprofile und unser Nutzerverhalten werden nur anonymisiert weiterverarbeitet und lassen dann keine Rückschlüsse mehr auf konkrete Personen zu. Dafür bringt das aber jede Menge Vorteile mit sich.

„Im cube berlin geht es um die Vernetzung der gesamten Technik des Gebäudes in einem ‚brain‘.“
Matthias Schmidt
Leiter Development CA Immo Deutschland
So könnte der Bericht eines Büronutzers im cube des Jahres 2020 aussehen. Alle Daten, die auf diesen Wegen in das Gebäude gelangen und erfasst werden, haben ein Ziel, das „Hirn“. „Im cube berlin geht es nicht mehr nur um Einzellösungen, die teilweise technisch schon länger machbar sind, sondern um die Vernetzung der gesamten Technik des Gebäudes und deren Zusammenführung in einem ‚brain‘ “, erläutert Matthias Schmidt, Leiter Development Deutschland der CA Immo. „Das Besondere dabei ist, dass das ‚brain‘ ein selbstlernendes Computer-System ist, welches alle Informationen aus dem Gebäudebetrieb, dem Mieterverhalten und der Umwelt aufnimmt und beständig weiterentwickelt und optimiert.“ 

Der cube hat aktuell neben Berlin noch eine zweite Heimat. An der RWTH Aachen ist das Smart Building seit dem Sommer 2017 sozusagen in Betrieb. Hier wird das “brain“ derzeit entwickelt und getestet. Um noch vor dem Einbau in das Bürogebäude die digitalen Bausteine und deren Funktionalitäten unter realistischen Bedingungen testen zu können, wurde ein eigenes Labor auf dem Gelände der Technischen Hochschule eingerichtet. Dieses besteht aus mehreren Räumen und ist mit geplanten technischen Komponenten des Gebäudes ausgestattet. An einem Leit- und Präsentationsstand werden die jeweiligen Testsituationen auf dem Bildschirm visualisiert. So erhalten die Entwickler Aufschlüsse über das Zusammenspiel der digitalen Infrastruktur des Gebäudes, über Schwächen- und Stärken der einzelnen Bausteine. Dabei besteht eine der größten Herausforderungen darin, dass die einzelnen Komponenten miteinander kommunizieren, da viele Hersteller auf proprietäre Protokolle setzen.

Eine weitere zentrale Fragestellung ist die Datensicherheit. Während man unter Gebäudesicherheit bislang im Wesentlichen den Brandschutz und Schutz vor physischer Gewalt verstanden hat, kommt nun das Thema Cyber Security hinzu. „Die Datensicherheit steht im Vordergrund.“ betont Matthias Schmidt. „So sehen wir, wie und welche Daten über sichere Verbindungen zum Beispiel in einer Cloud erfasst und zurückgespielt werden können. Oder wie sensible Daten, zum Beispiel Zugangsberechtigungen, per Bluetooth nur innerhalb des Gebäudes verarbeitet werden.“ Um im Falle eines Cyber-Angriffs gewappnet zu sein, testen zudem professionelle „Hacker“ die Sicherheit des cube-Systems.

Der Teststand für den cube in Aachen.
Als Digitalisierungskomponenten des cubes werden in Aachen unter anderem Beacons, Sensoren, Gateway-Server, Cloud und Portale unter die Lupe genommen. Damit die digitalen Schnittstellen optimal bedient werden können, wird eine eigene App programmiert, die auf dem Smartphone der Mieter, Besucher oder des Facility Management verschiedene Funktionen erfüllt. Susanne Terboven, Projektleiterin vom cube berlin, begleitet federführend deren Entwicklung: „Die Bedienung der cube-App soll absolut intuitiv sein. Es darf nicht kompliziert sein, ein Geschoss beim Aufzug zu wählen oder das Büro kühler zu stellen. Der Schritt in die Gebäude-Digitalisierung soll für alle Kunden und Mieter passend und wählbar sein, daher wird es für jeden der möchte auch weiterhin Schalter und Zutrittskarten geben.“

Die App und das „brain“ bieten einige entscheidende Vorteile. Ein Mitarbeiter kann zum Beispiel noch bevor er den Raum betritt per Smartphone Temperatur, Licht und die Jalousiesteuerung einstellen. Die Lüftung kann in Besprechungsräumen sowie abschnittsweise in Etagen über Sensoren intelligent gesteuert werden, da diese erkennen, ob eine Fläche belegt ist oder nicht. Bei flexiblen Arbeitsplätzen, kann das System zusammenhängende Arbeitsplätze vorschlagen, so dass für ungenutzte Bereiche der Energieverbrauch gedrosselt wird. Damit kann auch im ganzen Gebäude signifikant Energie gespart werden.

Wie sich die App für den Anwender „anfühlen“ und wie sie aussehen könnte, zeigen die Entwickler bereits heute auf einer Smartphone-Oberfläche. So können darüber Besprechungsräume gebucht, Gäste eingeladen und mit einer automatischen Zugangsberechtigung zum Gebäude versehen werden oder auch per Inhouse-Navigation durch das Gebäude gelotst werden.

Die App bietet verschiedene Services.
Dieses „Tracking“ könnte dann nicht nur den Weg von Personen innerhalb des cubes abbilden, sondern erkennt gleichzeitig über Heat-Maps, welche Räume oder Gebäudezonen besonders stark frequentiert werden oder wo welche Geräte positioniert sind. Und löst das automatische Entsperren von Türen oder das Öffnen von Einfahrten aus. Auch verlorene Gegenstände können so geortet werden, wenn sie mit Beacons versehen sind. „Wer sein Laptop mal irgendwo im Gebäude vergisst, kann auf das gute „Gedächtnis“ des cube bauen.“ ist Matthias Schmidt überzeugt.

Anhand der täglichen Belegungssituation der Räume kann der Facility Manager beurteilen, wo zum Beispiel der Reinigungsservice sinnvoll eingesetzt wird oder welche Gebäudezonen später vorrangig zur Renovierung anstünden. Eine weitere Überlegung wäre, ob man große Besprechungsräume, die selten besetzt sind, zukünftig beispielsweise in zwei kleine Räume teilt. Wenn Räume selten besetzt sind, wird der Energieverbrauch dort entsprechend gedrosselt und die Betriebskosten können damit gesenkt werden.

„Wie der cube lernen auch wir während der Testphase dazu."
Über die Zusammenführung verschiedener Service-Angebote in der App lässt sich auch interne „cube-Kommunikation“ betreiben: Ein Gebäude-Wiki gibt Auskunft über technische Gebäudeinformationen. Bedienungsanleitungen sind vom Kopierer bis zur Klimaanlage downloadbar, der Cateringservice veröffentlicht seine aktuellen Menüs. Mieter-Chats und eine Paketstation werden als Zusatzservice vom Facility Manager angeboten.

Eine optimale, zukunftsfähige und ausfallfreie digitale Infrastruktur sowohl am als auch im Gebäude ist für ein Unternehmen mittlerweile ein wesentliches Standortkriterium. Daher wurde cube berlin auch durch WiredScore hinsichtlich seiner Konnektivität überprüft und hat das bestmögliche Siegel in Platin erhalten. „Wir entwickeln mit dem cube ein Gebäude, das den Geschäftsmodellen unserer Mieter in einer zunehmend vernetzten, digitalen Welt entspricht“ fasst Matthias Schmidt zusammen. „Und wie der cube lernen auch wir während der Testphase dazu.“

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